Praxis · 6 Min Lesezeit

Brand vs Performance. Wie du dein Budget wirklich aufteilst.

Nur Performance. Kurzfristig wächst du, langfristig stagnierst du. Nur Brand. Applaus ohne Umsatz. Die Regel die wirklich funktioniert und die drei Fälle in denen du sie ignorieren solltest.

Simon Förstemann Wachstumsstratege April 2026

Es gibt eine einfache Frage die fast jeder Gründer falsch beantwortet: "Wie teile ich mein Marketingbudget zwischen Performance und Brand?" Die typische Antwort: 100% Performance. Weil Performance messbar ist. Weil man es rechtfertigen kann. Weil es nach Kontrolle aussieht.

Das ist ein Buchhaltungsreflex, kein strategischer Gedanke. Und er bremst dein Wachstum.

Regel 01 Die 60-40 Regel

Die beste Forschung dazu ist die Arbeit von Les Binet und Peter Field für die IPA. Über 1.000 Kampagnen. Klares Ergebnis: Das beste Verhältnis zwischen Marken- und Aktivierungsbudget liegt bei etwa 60/40.

Brand
60%
Bekanntheit, Vertrauen, mentale Verfügbarkeit. Wirkt nach 6-24 Monaten.
Performance
40%
Kaufimpuls jetzt, messbare Konversionen. Wirkt in 0-30 Tagen.

Die meisten kleineren Unternehmen operieren bei 10/90 oder 0/100. Das ist der Grund warum Performance über Zeit immer teurer wird: ohne Markenbekanntheit muss jede Conversion von Null aufgebaut werden. Du kaufst jeden Kunden zum Vollpreis. Immer und immer wieder.

Regel 02 Warum Brand wirkt

Brand-Budget ist nicht nur "fürs schöne Gefühl". Es wirkt über drei Mechanismen auf deinen Performance-ROI:

Mechanismus 1 · CTR steigtMenschen klicken eher auf Ads von Marken die sie schon kennen. Das senkt deinen CPC direkt.
Mechanismus 2 · Conversion steigtBekannte Marken überzeugen schneller. Weniger Besucher-Zyklen bis zum Kauf, höhere Abschlussquoten.
Mechanismus 3 · Preis-Toleranz steigtBekannte Marken können Premium verlangen. Unbekannte Marken müssen über Rabatt konkurrieren.

Das heißt: Brand-Investment ist keine Alternative zu Performance. Es ist ein Multiplikator für Performance. Ohne Brand verbrennst du dein Performance-Budget. Mit Brand verstärkst du es.

Regel 03 Die drei Fälle wo 60-40 NICHT gilt

Die Regel ist ein guter Startpunkt. Sie ist nicht universell. In diesen drei Situationen würde ich davon abweichen:

Fall 1 · Du bist unter 50k Monatsumsatz. Auf dieser Größe brauchst du erst Kunden. Brand-Investment fliegt zu spät zurück um deine Liquidität zu sichern. Hier ist 20/80 Brand/Performance realistisch. Sobald du stabil bist, verschiebst du schrittweise.

Fall 2 · Du hast ein sehr enges, teures Produkt. Bei B2B-Software mit einem Deal-Size von 100k+ ist deine Zielgruppe klein. Breite Brand-Kampagnen treffen zu 95% die Falschen. Hier wird "Brand" eher zu Thought-Leadership und LinkedIn-Präsenz. Aber das Konzept bleibt.

Fall 3 · Du launchst gerade. In den ersten 3-6 Monaten kann ein Brand-Push Sinn machen der temporär höher liegt 70/30 oder mehr. Einfach um überhaupt erstmal bekannt zu werden. Danach wieder runter auf 60/40.

Regel 04 Was tatsächlich "Brand" ist

Der häufigste Irrtum: Brand-Budget heißt "Logo-Design und Corporate-Film". Tut es nicht. Echtes Brand-Budget fließt in Inhalte die erzählen wer du bist, woran du glaubst und für wen du da bist. Das kann sein:

Ein Podcast. Ein Newsletter mit echter Meinung. YouTube-Videos mit konkretem Nutzen ohne Verkaufsimpuls. Ein PR-Thema rund um eine Position die du besetzt. Sprecherauftritte. Ein Buch. Content der sich lohnt zu lesen, nicht Content der lockt zu klicken.

Performance-Content sagt: "Kauf jetzt." Brand-Content sagt: "Das ist wer wir sind, das ist woran wir glauben und das ist was wir wissen." Beide sind nötig. In beiden Richtungen allein kommt kein tragfähiges Geschäft.

Der unbequeme Teil

Brand-Budget ist unbequem weil du die Wirkung nicht in 30 Tagen siehst. Finanzchefs und Performance-Marketer hassen das. Aber genau das ist der Grund warum es funktioniert: der Wettbewerb macht es nicht. Weil es unbequem ist.

Jedes Unternehmen das nur Performance macht ist austauschbar. Jedes Unternehmen das auch in Brand investiert baut einen Wettbewerbsvorteil der nicht durch Budget allein eingeholt werden kann. Das ist der langfristige Hebel. Er zahlt nicht diesen Monat ein. Er zahlt übernächstes Jahr ein und dann doppelt und dreifach.

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